Auszug aus der Berner Zeitung (BZ) vom 29.4.2010

 

«Radio ist ein tolles Medium!»

Von Christian Werder. Aktualisiert um 18:57 Uhr

Der pensionierte Bundesbeamte Christian Rupp aus Wabern hat ein ganz spezielles Steckenpferd: Er ist Präsident des Berner Vereins Seniorenradio Silbergrau. Die Rentner gehen ein Mal pro Monat auf Sendung.

 

 

Infobox

Ausgezeichnetes Projekt

Das Seniorenradio Silbergrau wurde vor rund zehn Jahren mit Unterstützung des Museums für Kommunikation und der Pro Senectute ins Leben gerufen. Das Medienprojekt wurde unterdessen vom nationalen Weiterbildungswettbewerb sowie der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern für seine Aktivitäten ausgezeichnet. Die Beiträge des Seniorenradios werden seit 2005 regelmässig (jeweils an einem Dienstag plus eine Zweitausstrahlung am übernächsten Sonntag) auf Radio Rabe übertragen. Finanziert wird das Projekt in erster Linie durch Mitgliederbeiträge.

«Bitte Ruhe! Radio-Aufnahmen. Danke. Radio Silbergrau.» So stehts auf einem Zettel an der Tür im ersten Untergeschoss der Liegenschaft Schaufelweg 33 in Schliern/Köniz.
Die Tür wird geöffnet. Im karg eingerichteten Raum erblickt man zwei Computerbildschirme, einen Drucker, einen Mikrofonständer, zwei Pulte, einen Tisch mit sechs Stühlen, einen Schrank und einige Bücher. «Jaja, es sieht halt alles etwas behelfsmässig aus hier. Nicht wie in einem wirklich grossen Aufnahmestudio. Aber unseren Ansprüchen genügts durchaus.» Christian Rupp lächelt, setzt sich und schenkt Mineralwasser in die bereitgestellten Becher.
Seit 2003 ist Rupp Präsident des Vereins Seniorenradio Silbergrau. Vor zehn Jahren wurde das Projekt mit aktiver Unterstützung des Museums für Kommunikation und der Pro Senectute ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, eigene Beiträge zu produzieren und auszustrahlen, welche insbesondere die ältere Generation interessieren.

Bei Radio Rabe auf Sendung
2001 wurde eine erste Sendung vom früheren Berner Lokalradio Förderband ausgestrahlt. Später gabs Beiträge im Oberländer Radio BeO – und seit rund fünf Jahren kann man Radio Silbergrau monatlich für eine Stunde auf der Frequenz des Berner Alternativsenders Rabe hören. «Es ist wirklich toll, dass wir hier einen Sendeplatz haben. Aber es wäre natürlich noch toller, wenn wir ebenfalls in anderen Radiostationen präsent sein könnten», meint der 69-Jährige. Aber eben: Es sei halt schwierig, ein solches Spartenprogramm irgendwo unterzubringen. Kommerziell sei das eben nicht wirklich interessant.

Von Politik bis Gesundheit
«Jä nu.» Klagen mag Christian Rupp nicht. Ganz und gar nicht. Der pensionierte VBS-Bundesbeamte hat Freude an seinem Freiwilligenjob beim Rentnerradio. «Ich finde, Radio ist einfach ein tolles Medium! Und wir haben eine aufgestellte und motivierte Crew.» Eine Crew, die aktuell aus rund 30 Männern und Frauen im Alter zwischen 65 und 82 Jahren besteht. Fachliche Unterstützung bekommen sie regelmässig von ehemaligen oder noch aktiven Radioprofis. Einmal pro Monat gibts eine grosse Redaktionssitzung. Gesendete Beiträge werden kritisiert und neue Themenvorschläge diskutiert.
Themen aus den verschiedensten Bereichen: Politik, Gesundheit, Kultur, Reisen, Freizeit und so weiter. Und wenn die Themen gesetzt sind, gehen die Hobbyreporterinnen und -reporter auf die Piste. Realisation, Moderation und Schnitt erfolgen schliesslich in Schliern. Dort wird alles auf CD gebrannt und danach ins Studio von Radio Rabe transportiert. Sport und News fallen in der Regel weg. «Da können wir natürlich nicht mithalten. Die Tagesaktualität müssen wir den Profis überlassen», lacht Christian Rupp.

Grosses Engagement
Rund zehn Stunden pro Woche engagiert sich Rupp im Verein für dieses schweizweit einzigartige Pionierprojekt. Eigene Sendungen produziert er nicht. Er ist in erster Linie zuständig für das Organisatorische, Korrespondenz, Kontaktpflege zu verschiedenen Institutionen sowie für den Internetauftritt. «Da liegen meine Stärken», betont er.
Und für den zweifachen Grossvater, Hobbyfotografen, Klassik- und Jazzfan steht bei Silbergrau eine Sache ganz weit oben: «Wirklich wichtig bei dem Projekt ist doch einfach, dass 30 Senioren so etwas durchziehen. Das macht Spass!» Wer will da widersprechen?

(Bernerzeitung.ch/Newsnetz)

Erstellt: 29.04.2010, 18:42 Uhr


In Aktion: Christian Rupp, Präsident des Vereins Seniorenradio Silbergrau, im Aufnahmestudio in Schliern.
Bild: Andreas Blatter


 

 

Auszug aus den Lokalnachrichten für Muri/Gümigen vom 11. April 2013

 

Senioren machen Radio – «Radio Silbergrau:»

«Wir produzieren, was uns gefällt»

«Radio Silbergrau» ist aus einer Idee des Museums für Kommunikation in Bern entstanden, das den 2003 gegründeten Verein weiterhin fördert.

 

Redaktorin Margarita Beiner-Simon aus Gümligen: «Wir haben das Privileg, das zu produzieren, was uns gefällt». Eine Gruppe aktiver Senioren und Seniorinnen haben sich unter dem Namen «Radio Silbergrau » dem Radiomachen verschrieben. In einem eigenen Tonstudio in Schliern werden Radiosendungen produziert. Es geht um Sendungen und Einzelbeiträge zu Themen für die ältere Generation, die sonst eher zu kurz kommen.

 

Ziel und Zweck von «Radio Silbergrau» Radio Silbergrau ist ein politisch und konfessionell neutraler Verein. Seine Mitglieder sind Menschen, die Lust haben, Radio zu machen und Themen aufzugreifen, die die nicht mehr aktive (in beruflichem Sinn) Generation interessieren. Dies findet in den Medien zwar auch statt, doch werden die Themen meistens nicht von Senioren, also den Direktbetroffenen, behandelt. Das bedeutet: Radio Silbergrau

• will die Stimme der älteren Generation sein

• will das Begegnen zwischen jungen und alten Menschen fördern

• versteht sich als Stimme jener, die auch im Alter mitbestimmen und mitgestalten wollen

• steht dafür ein, dass die Senioren ernst genommen werden

• will die Selbständigkeit der Senioren fördern.

 

Ausbildung Bevor «Radio Silbergrau» auf Sendung gehen konnte, brauchten dessen Mitglieder, die Radio machen wollten, eine Ausbildung in dieser Sparte. Bewährte Berufsjournalisten wie Heinz Däpp, Susanne Enz und Peter Läufer unterrichteten die Kandidaten in Journalismus, Recherche, Mikrofon- und Interviewtechnik. Zudem werden einmal im Monat Redaktionssitzungen einberufen. Sie geben Feedbacks auf die ausgestrahlten Sendungen, dienen der Kritik und der Qualitätskontrolle.

 

Die Freiheit der Mitarbeitenden Die Themen, die «Radio Silbergrau» behandelt, werden von den Radiomachern frei gewählt, sind national und international, und je nach Interessen der Mitarbeitenden kann es sich um Gemeindethemen oder Eichenfässer handeln. Meistens werden Sendungen zu zweit aufgenommen, im Studio werden sie bearbeitet. Ein Beitrag sollte nicht länger als zehn Minuten dauern. Für die untermalende Musik ist die frühere Musikredaktorin Erika Oesch verantwortlich. Jede Sendung wird auf CD aufgenommen und ihr zur Auswahl der entsprechenden Musik zugeschickt.

 

Zu Gast bei Radio Rabe Seit 2005 ist «Radio Silbergrau» zu Gast bei «Radio Rabe». Die Sendungen sind alle vier Wochen jeweils am Diernstag von 17.00 bis 18.00 Uhr zu hören und zwar auf Frequenz 95,8 Mhz. Wiederholungen finden zwölf Tage nach der Ausstrahlung jeweils am Sonntag von 11.00 bis 12.00 Uhr statt. Die letzten Sendungen können zudem im Internet abgerufen werden über www.silbergrau.ch. Bis heute wurden über 130 Sendungen mit etwa 500 Beiträgen produziert. Die Vorliebe von Margarita Beiner aus Gümligen sind Themen aus ihrer Gemeinde. Die bald 70- jährige hegte schon als Kind den Wunsch, Radiosprecherin zu werden.

 

Auszeichnungen und Erwähnungen Der Bekanntheitsgrad von «Radio Silbergrau» ist beträchtlich: Die Idee, «Senioren machen Radio» ist bisher auf grosses Interesse gestossen. So hat «Radio SRF 1» sowohl 2003 wie auch 2007 über die Tätigkeit von «Radio Silbergrau» berichtet. Auch in der Sendung «NZZ Format» des Schweizer Fernsehens ist ein Beitrag darüber ausgestrahlt worden. Im Jahr 2005 wurde «Radio Silbergrau» im Rahmen des Nationalen Weiterbildungs-Wettbewerbes anlässlich der Eröffnung des Lernfestivals 2005 in der Kategorie der Projekte der Preis «Weiterbildung Generation Gold» überreicht. Die «Ökonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern» verlieh dem Sender einen Preis im Wettbewerbsthema «Das Potential des Alters». Im Mai 2006 wurden die Radiomacher vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung eingeladen, in München und Benediktbeuren an der Konferenz zum EU-Projekt «New Horizons – Active Age» teilzunehmen und das Projekt vorzustellen. Eingeladen waren Organisationen aus 14 Ländern mit rund 40'000 Besuchern. Im September des gleichen Jahres erschien in der Sonderbeilage «Extra 50 plus» des «Beobachters» ein Bericht über das Seniorenradio. Im Sommer 2007 besuchte «Radio SRF 1» den Sender bei der Arbeit im Studio und berichtete im «Memo» darüber. Seit Sommer 2007 arbeitet «Radio Silbergrau» mit www.seniorenweb.ch zusammen. Seniorenweb ist ein dreisprachiges schweizerisches Internetportal für die Generation 50 plus. Hier können ausgewählte Beiträge gehört und auch als Podcast abonniert werden. Anfangs 2008 traten Mitglieder des Radios im Schweizer Fernsehen in der Quizshow «5 gegen 5» im Rahmen eines Senioren-Specials auf und gewannen den ersten Preis.

 

Kleine Nachwuchssorgen Der Präsident von «Radio Silbergrau», Hanspeter Müller, bedauert, dass sich im Laufe der Zeit einige Mitglieder zurückgezogen haben. Das Problem bei älteren Leuten seien Krankheiten und Operationen. So konnten seit drei Jahren keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen werden. «Wir versuchen, nach draussen zu gehen um zu zeigen, dass man auch nach 65 Jahren schöpferisch tätig sein kann». In Lokalzeitungen ist der Verein auf der Suche nach neuen Mitgliedern mit den verschiedensten Talenten. Er lädt über 65-Jährige *) ein, unverbindlich an einer Redaktionssitzung teilzunehmen. Diese finden alle vier Wochen, jeweils an einem Donnerstag, im Museum für Kommunikation statt.

Infos: Hanspeter Müller, Hubacherweg 12, 3097 Liebefeld, Telefon 031 971 78 88, 079 371 09 59.

DSC

 

*) keine Altersbeschränkung - auch nicht nach unten!